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Politisches Engagement ist nichts Anrüchiges

Das Haus der Begegnung lud am 3. Februar zum zweiten Abend im Rahmen der Zukunftsdialoge. Gesprächspartner am Podium waren die Historikerin und Journalistin Anneliese Rohrer und der Dekan der Theologischen Fakultät an der Uni Innsbruck, Wolfgang Palaver.

Anneliese Rohrer und Wolfgang Palaver waren zu Gast bei Elisabeth Anker (li.) im Rahmen der Zukunftsdialoge im Haus der Begegnung in Innsbruck.

Annelies Roher, die den Abend mit ihrem Kurzstatement eröffnete, sprach davon, dass es in Österreich eine lange Tradition der Gnaden- und Zuschauerpolitik gebe. „Die Politik gibt, die Politik nimmt, die Bürger akzeptieren das und schauen unbeteiligt zu." Ihre These begründete sie darauf, dass Menschen erst etwas ändern, wenn sie sich betroffen fühlen. Das Problem sei, dass sich die Österreicherinnen und Österreicher von der Politik nicht angesprochen fühlen. „Es ist auch kaum nachvollziehbar, wie viel Geld jetzt wirklich bei der Hypo Alpe Adria Bank fehlt. Wenn aber jemand an der Tür läuten und 2.800 Euro pro Person in bar einfordern würde, dann wären wir betroffen."

 

Engagement gründe darauf, dass man sich politisch betroffen fühle. Aber auch die Eltern und Großeltern Generation sei schuld an der Entpolitisierung. „Wenn man seinen eigenen Kindern immer wieder zu verstehen gibt, dass sich politischen Engagement nicht lohnt, Politiker eh alles Trotteln sind und sie lieber auf ihre Karriere schauen sollen, dann tragen auch die Eltern und Großeltern ihren Teil dazu bei, dass Politik etwas Anrüchiges und nicht erstrebenswertes ist."

„Manche meinen auch, Reden allein genüge. Der Schritt vom Reden zum politischen Engagement oder zur Zivilcourage, eben zum aktiven Handeln ist jedoch entscheidend." PolitkerInnen und JournalistInnen verstehen nur Zahlen. Wenn genügend Leute E-Mails schreiben, dann entstehe ein Druck von unten, der etwas bewirken könne. Ein weiterer praktischer Tipp von Anneliese Rohrer: an Gemeinderats- und Landtagssitzungen teilnehmen. „Allein die Präsenz von Leuten bringt die Politiker dazu, sich anders zu verhalten." Außerdem solle man PolitikerInnen, wenn man sie auf der Straße treffe, ruhig die Wahrheit sagen, nämlich was einem nicht gefällt und was einem gefällt.

 

Wolfgang Palaver schlug bei seinem Statement in eine ähnliche Kerbe: „Wir dürfen nicht warten, bis andere die Initiative ergreifen. Wenn das alle tun, dann fängt keiner damit an." Es ging auch ihm um die Überwindung der Gleichgültigkeit,  vor der auch Papst Franziskus neulich warnte. „Wenn wir den Tanz um die goldenen Kälber Konsum und Konkurrenz etwas überwinden, können wir uns der Zivilcourage leichter zuwenden", so Palaver. Er frage sich auch, was Gehorsam bedeute. Auf keinen Fall Kadavergehorsam. Religionen sprechen oft von Gehorsam, diesen Begriff aber genau anzuschauen, um ihn nicht mit Passivität zu verwechseln, lohne sich.

 

Selber Gemeinderat in Jenbach, scheut Palaver auch nicht zurück, sich unbeliebt zu machen. Das gehöre zur Politik dazu, genauso wie eine richtige Streitkultur, die er ab und zu vermisse. Er ist überzeugt, dass man als Lokalpolitiker einiges verändern kann. „Ich habe den Schritt damals gewählt, da ich mit dem damaligen Bürgermeister und mit seiner Politik nicht einverstanden war.“ Auch er meinte: „Handeln, eine Herzensangelegenheit in Angriff nehmen, das ist Zivilcourage, die einen vom lähmenden Gefühl, ich kann eh nichts machen, befreit."

Die Reihe der Zukunftsdialoge im Haus der Begegnung in Innsbruck hat es sich zum Ziel gesetzt, Fragen der zukünftigen Entwicklung der Gesellschaft aufs Podium zu bringen und mit Experten des jeweiligen Themenbereichs zu diskutieren.
Die nächsten Termine:

  • Fr 21. März 2014 - Plant the Planet – Mit einer Idee die Welt verändern. Mit Felix Finkbeiner
  • Do 8. Mai 2014 - Sinn und soziale Phantasie – Kulturwandel in Unternehmen. Mit Sebastian Purps, Hannes Offenbacher
  • Juni 2014 - Genug für alle – Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit global denken und lokal verwirklichen. Mit Jean Ziegler
  • Fr 26. September 2014 - Wohlstand durch Teilen – Anders wirtschaften, Gemeingüterkultur.. Mit S. Helfrich, B. Kratzwald, M. Carli

 

Die Statements der beiden ReferentInnen auf Video zum Nachhören:

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